Am Eingang zum britischen Kriegsgräberfriedhof des Ersten Weltkrieges sind Tafeln montiert. Darauf lese ich:

This Cemetery was constructed by the governments of the British Commenwealth of Nations and its maintenance is in the hands of British caretakers. Agreement has been entered into between the governments of Germany and of the British Commonwealth of Nations enabling them to construct in their own way and maintain through their own caretakers. The cemeteries in which their dead of the Great War now rest.

Here rest soldiers of the British Empire who died in Germany during the Great War 1914-1918. The land which is consecrated by their graves has been acquired in perpetuity by agreement with the German people and the City of Hamburg so that their remains may be honoured for ever.

Einen Teil des britischen Soldatenfriedhofs gehört den Gefallenen des ersten Weltkrieges. Auch hier finden wir wieder die weissen Grabsteine, Seite an Seite, Reihe für Reihe. Es sollen insgesamt 708 Gräber sein. Und da komme ich dann schon wieder in Erklärungsnot. Der erste Weltkrieg hat doch gar nicht auf Hamburger Boden stattgefunden. Ja, man kann sagen er hat gar nicht auf deutschen Boden stattgefunden. Man kämpfte in Frankreich oder an der Ostfront. Alles weit entfernt. Wer also liegt hier begraben?

 

Blick vom Altarstein über den Teil des Friedhofes, wo die Gefallenen des Ersten Weltkrieges bestattet sind.

 

Die Erklärung für die vielen Toten, die hier bestattet wurden, erfahre ich während eines Gespräches mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Archivs. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof wurde eine zentrale Trauerstätte für alle britischen Kriegsopfer eingerichtet, die im Norddeutschen Raum gestorben sind. Die Männer, deren Gräber hier zu sehen sind, fielen im Luftkrieg, versanken mit ihren U-Booten oder starben in der Kriegsgefangenschaft. Oft weit weg von Hamburg. Eines der größten Lager befand sich in Parchim, Mecklenburg-Vorpommern. Dort starben viele Briten. 

Gleich am Eingang zu diesem Friedhofsfeld ist ein Gedenkstein für nicht namentlich bekannte Opfer aufgestellt worden. Darauf steht: Known unto God. Er erzählt von 24 britischen Marineangehörigen, die 1916 mit einem U-Boot vor Helgoland gesunken waren. Eine Seemine riss sie in den Tod. Auch schon im ersten Weltkrieg kämpften in der Britischen Armee Soldaten aus allen Ländern des Commonwealth. Sie alle wurden hier beerdigt.

 

 

Auf dem britischen Soldatenfriedhof in Hamburg Ohlsdorf wurden Gefallene und Tote von den vorläufigen Friedhöfen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Oldenburg, Hannover, Braunschweig, Sachsen und Westfalen beigesetzt. Das erklärt die vielen Grabsteine. 

During the two World Wars of 1914-18 and 1939-45 millions of lives were lost. The majority of servicemen and women who died in those wars lie buried in the countries where they fell. Most of the members of the Commonwealth forces who died in Germany are buried in war cemeteries such as this which are maintained by the Commonwealth War Graves Commission with the assistance and goodwill of the German people. Those whose graves are unknown are commemorated on memorials to the missing. This quiet resting place like those elsewhere, is dedicated to the memory of those who lost their lives.

The Commonwealth war grave plots in this cemetery contain 705 burials of the First World War and 1474 of the Second. By nationalities they comprise 1927 British, 135 Canadian, 79 Australian, 24 New Zealand, 1 South African, 1 Newfoundland, 2 Dutch, 8 Polish, 1 American and 1 unidentified.

There are also memorials or 4 British, 1 Australian and 1 New Zealand servicemen who were buried elsewhere but whose graves are now lost.

Das ganze Areal ist mit einer kurzgeschnittenen Lingusterhecke eingezäunt. Englischer geht es eigentlich nicht. Dazu der perfekte Rasen und die vielen Blumen zwischen den Grabsteinen. So gefällt es den Briten, denn die Trauerkultur wird bis heute viel unverkrampfter als bei uns gelebt. Den Tod, den wir gerne an Fachleute wie Mediziner, Hospitzbetreuer und Bestatter deligieren, treten englische Angehörige mutiger entgegen. Und deshalb verstehen sie es auch so gut eine Begräbnisstätte sowohl freundlich als auch würdevoll zu gestaltet. Oder wie mein Freund sagen würde: “We know how to give somebody a proper send-off.” Dabei würde er verschmitzt lachen aber niemals respektlos denken.

 

Das irische St Patricks Kreuz trägt ein bronzenes Kreuzritterschwert. Alte Friedhofstradition.

 

Zwei Dinge fallen dem Besucher sofort auf, wenn er diesen Teile des Soldatenfriedhofs betritt. Gleich am Anfang steht ein vielleicht fünf Meter hohes Kreuz. Darauf ist ein dunkles Schwert befestigt. Dieses Element findet man auf jedem britischen Soldatenfriedhof. Es ist das sogenannte ‘Cross of Sacrifice’. Und am anderen Ende, genau gegenüber, führen einige Stufen auf ein Plateau. Darauf ein gewaltiger flacher Stein mit der Inschrift ‘Their Name Liveth For Evermore’. Dieser rechteckige Altarstein wird in England ‘Stone of Remembrance’ genannt. Jedes Jahr im November versammelt man sich an einem solchen Platz und gedenkt der Toten der Weltkriege. In London passiert das in Whitehall, gemeinsam mit der Queen und unzähligen jungen und alten Londonern. Alle tragen eine rote Mohnblüte, die sogenannte Poppy. Ihre Farbe symbolisiert das Blut, das die Schlachtfelder in Frankreich überzog. Aber die Poppy erinnert auch an die Kraft der Natur, denn schon nach wenigen Jahren wuchsen die Mohnblumen auf dem Niemandsland zwischen den ehemaligen Schützengräben.

 

 

Es gibt also auf diesem Teil des britischen Kriegsfriedhofs viel zu entdecken. Wer Details zu den Toten wissen will, findet am Eingang eine Liste mit allen Namen. Dort liegt auch ein Kondolenzbuch aus. Und wer den Briten eine Freude machen will, der kommt am Remembrance Day (Volkstrauertag) hier her und legt einen roten Mohnstrauß auf den Altarstein ab. Das ist so Sitte und bitte kleiden Sie sich angemessen. Der Engländer ist zwar außerordentlich tolerant, aber er weiß auch, dass Inhalt und Verpackung passen müssen. Recht hat er.

 

Jährliches Gedenken an die Gefallenen des ersten Weltkrieges in London Whitehall. Die Queen ist am Remembrance Day selbstverständlich immer dabei. Erst hatte ich gestaunt, inzwischen weiß ich es zu schätzen.

 

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