Das Gräberfeld mit den toten Männern, Frauen und Kindern, die im 2. Weltkrieg starben, ist ein eigenes Areal. Es liegt dem Feld, mit den Gräbern aus dem 1. Weltkrieg, genau gegenüber. Die beiden Friedhöfe sind getrennt von einer kaum befahrenen Strasse mit breiten Rasenstreifen in der Mitte. Dort wächst ein Ginkgo Baum. Noch ist er jung und braucht Standhilfe, aber er hat Knospen und treibt gut aus. Der Ginkgo stammt aus China und gehört zur ältesten Baumart der Welt.  Er wird wegen seiner Lebenskraft verehrt und gilt den Buddhisten als heilig. Wenn wir gut aufpassen, kann auch dieser Ginkgo mehrere tausend Jahre alt werden. Dann wird er den ganzen Platz zwischen den beiden Friedhofsteilen überdachen.

 

Gräber des Zweiten Weltkrieges. Im Hintergrund die beiden Häuser, die den Eingang flankieren. Gegenüber, ganz im Hintergrund, die Gräber des Ersten Weltkrieges.

 

Dieser Ginkgobaum wurde im Gedenken an alle allierten Flieger gepflanzt, die während der Luftbrücke den Berlinern das Überleben ermöglichten. “This Ginkgo Tree is in remembrance of the eight British and Commonwealth airmen whose initiative and sacrifice during the Berlin airlift enabled the people of that city to survive.” 

Auf diesem Teil der Kriegsgräberstätte sollen 1889 Soldatengräber zu finden sein. Auch hier sind die Grabsteine leuchtend weiss und weil langsam die Narzissen und Tulpen erblühen, leuchten ihre bunten Blüten umso farbenprächtiger zwischen den Stelen. An einem Grab lehnt ein Kranz mit roten Mohnblüten. Hier waren Besucher und haben einen Gruß hinterlassen. 

 

In den Wachhäusern liegen Listen mit den Namen aller gefallenen Soldaten aus. In der Ecke steht ein Kranz mit roten Mohnblumen.

 

Ich halte mich zwischen den Grabreihen viel länger als geplant auf. Dieser Ort strahlt eine fühlbare Ruhe und Harmonie aus. Ich reagiere auf die Wellenlänge und fühle mich sehr entspannt und erfrischt. Bevor ich gehe will ich noch einen Blick in die beiden Häuschen werfen, die links und rechts vom Eingang stehen. Hübsche kleine Wachhäuser, die aussehen als hätte ich sie mit meinem Anker Steinbaukasten erbaut. In einem der Gebäude liegt die Liste mit den Namen aller Gefallenen aus. Daneben auch wieder ein Buch, in das man sich mit Namen und Adresse eintragen kann. 

 

 

Ich habe noch nicht oft Soldatengräber besucht. Erste Annäherung an den Brauch den Gefallenen zu gedenken konnte ich in London erleben. Dort gehören Kriegsveteranen zum Alltag und man begegnet Ihnen mit größten Respekt. Aber auch unverkrampft, denn man muß die schwierige Gratwanderung zwischen Soldatenehre und Naziverbrechen nicht meistern. Man kann sich ganz unbelastet der wehmütigen Trauer, der stolzen Erinnerung und der gesunden nationalen Zugehörigkeit hingeben. Ein schönes Gefühl, das ansteckt und euphorische Gefühle weckt. Wir haben es bei der Fußball WM mal ausprobiert und genossen. – Ich glaube ich werde diesen Teil des Ohlsdorfer Friedhofs ab sofort regelmäßig besuchen, auch wenn ich hier niemanden persönlich kenne. Umgeben von einem Blumenmeer, mitten zwischen unzähligen namentlich genannten Zeugen der Weltkriege, kann man ganz gut über sich und die Welt philosophieren.

 

 

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