Mir sind inzwischen drei Gräber auf dem Ohlsdorfer Friedhof bekannt, die von imposanten Löwen bewacht werden. Bei einem davon ist das keine Überraschung, denn dort liegt Carl Hagenbeck begraben. Die beiden anderen sind die Ruhestätten von Johannes Dalmann und von der Familie Bove-Rode. Von diesem will ich hier berichten. Wer diesen Namen trug, ist mir bisher verschlossen geblieben. Möglicherweise sind es auch zwei Familien, die ein gemeinsames Grab erworben hatten. Es muß so gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein, als die Grabstätte errichtet worden ist. Denn die beiden imposanten Löwen, die noch heute dort zu sehen sind, wurden 1877 aus einem großen Elbsandstein gehauen. Davon später mehr. Erst einmal muß ich das Grab finden. Es soll an der Kreuzung Wald- und Kappellenstraße liegen. Eine der schönsten Ecken des Friedhofs, wie ich finde.

 

Im Cordesteil, wo der Friedhof wie ein Wald aussieht, findet man das Löwengrab. Es ist gleich an der Kreuzung Wald- und Kapellenstraße. Oben wäre die Kapelle 2.

 

Leider suche ich von der falschen Seite aus und merke nicht, dass ein breiter Fußweg, ich glaube sogar mit Hinweisschild, direkt zur Grabstätte führt. Sie liegt tatsächlich nur wenige Schritte vom Rondell entfernt. Leicht zu finden. Ich hatte schon vor meinem Besuch erfahren, dass das Grab inzwischen eine neue Nutzung bekommen hat. Seit 1998 ist es eine sogenannte Paar-Anlagem gemeint sind Urnenbeisetzungen für Ehepaare. Die Asche wird auf der runden Rasenfläche vergraben und ringsherum liegen polierte Steinplatten mit den Namen der Verstorbenen. Eine sehr schöne, harmonisch wirkende Grabanlage. Leider bin ich Single und werde hier keinen Platz finden können. Es sei denn, einem Leser geht es wie mir?

Zentral steht ein gewaltiger Findling. Viele dieser Brocken wurden aus Schweden mit dem Schwertransporter über die Autobahn hierher gebracht. Das kostete dann genauso viel, wie ein aufwendig bearbeiteter Grabstein kosten würde. Eine Zeit lang war es Mode, statt blanken Marmor lieber einen rauhen Granit aufzustellen. “Alter Schwede!”, raunten sich die Hinterbliebenen zu, wenn sie das Ding zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Geht man an diese Grabstelle näher heran, entdeckt man auf der Innenseite der Sockel einen langen Texteintrag. Es ist das Abschiedslied von Gottfried Keller. 

 

 

Viel interessanter sind aber natürlich die lebensgroßen Löwen. Der linke scheint zu schlafen, aber der rechte ist hellwach. Die Tiere erinnern mich sofort an den Löwen vor dem Grab des Wasserbaudirektors Johannes Dalmann und das ist kein Zufall. Alle drei Figuren*) wurden vom selben Künstler erarbeitet: Engelbert Peiffer. Der hatte lange in Hamburg gewirkt und viele bekannte Denkmäler geschaffen. Eines der größten ist der Brunnen auf dem Hansaplatz in St. Georg. Laut Peiffer schlafen diese beiden Löwen abwechselnd oder anders gesagt, einer passt immer auf. (Machen Sie also bitte ein Foto, falls der rechte Löwe eingeschlafen ist. Ich würde es gerne hier zeigen.) 

*) Stimmt das? Oder habe ich eins und eins addiert und drei gezählt? Es würde so schön passen, aber Fachleute sind sich einig, dass der Name des Künstlers, der die beiden Löwen erschaffen hat, unbekannt ist. Wer mehr weiß, möge sich bitte melden, vielleicht finden wir es gemeinsam heraus?

 

Auf den Stirnseiten der Postamente sind Wappen eingehauen. Ein Blumenkübel zeigt kunstvoll gemalte Tiere.

 

Jetzt im Frühjahr wurde die ganze Anlage mit Stiefmütterchen bepflanzt. Die Farbe tut gut. Allerdings scheinen die Gärtnereien nichts von Auswahl zu halten. Man deckt entweder großflächig in gelb oder in blau ein. Das kann sehr elegant und intensiv wirken, aber mir fehlt dazwischen die kreative Idee. Immerhin, der Findling wurde farblich anders bepflanzt und beim Rest tut sich ja vielleicht noch etwas? Die Anlage selbst ist sehr gelungen. Ein schöner Platz, in sich geschlossen und doch harmonisch in den Park eingefügt. Zwei handwerklich dekorativ gestaltete Blumenkübel stehen am Ende des runden Rasens. Ein optischer Gegenpol zu den dominanten Löwen.

Ich merke mir mal diese besondere Grabstelle in Gedanken für einen erneuten Besuch vor, denn wenn ich meine Fototouren im Café abschließe, liegt das Löwengrab auf direktem Weg. Das lässt sich also gut einplanen.

 

 

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