Eduard Lippert war ein Hamburger Kaufmann, Finanzier und Politiker, der vielfältige Spuren im südlichen Afrika hinterlassen hat. Er wurde im Januar 1844 in Hamburg geboren und starb auch dort, im Alter von 81 Jahren. Vor dem aufwendig gestaltete Grabmal steht eine Informationstafel, deren Text ich hier leicht gekürzt wiedergebe.

 

 

“Das gemeinsame Grabmal des Ehepaares Lippert zeigt Stationen aus dem Leben von Marie Lippert, geb. Zacharias. Ihr zehn Jahre älterer Ehemann Eduard Lippert betrieb mit seinen Brüdern ein Wollhandelsunternehmen. Nach dem Konkurs ging das kinderloses Ehepaar Lippert in den 1880er Jahren nach Afrika, wo Eduard Lippert mit Gold- und Diamantenschürfungen ein Vermögen erwirtschaftete. 1892 verkaufte er sein Unternehmen zu einem Millionenbetrag.

Marie Lippert liebte Afrika, war neugierig auf das ihr fremde Land. 1891 unternahm sie, trotz einer Krebserkrankung, eine dreimonatige Reise mit ihrem Mann durch das Matabeleland. Nach der Reise mußte sie erneut operiert werden. Eduard Lippert verkaufte daraufhin  seine Besitztümer in Afrika und kehrte mit seiner Frau zurück nach Hamburg. Hier kaufte er 1896 ein Haus in der Fontenay und das Gut Hohenbuchen in Poppenbüttel. Auf dem Gut ließ das Ehepaar Lippert ein Kindergenesungsheim und am Poppenbütteler Marktplatz ein Erholungsheim für weibliche Ladenangestellte uns Telefonistinnen errichten. Zudem unterhielten sie ein Säuglingsheim in Groß Borstel sowie ein Waisenhaus für zwölf Kinder and der Poppenbütteler Hauptstraße 23. Mit all seinen wohltätigen Aktivitäten wollte Eduard Lippert seiner todkranken Frau zeigen, dass das Leben weitergehe und sie noch ein langes Leben vor sich hätten. Doch Marie Lippert verstarb 1897 im Alter von 42 Jahren.

Das Grabmal zeigt in Reliefs Szenen aus Marie Lipperts Leben. Auf der linken Seite steht sie an einer Roseblüte riechend in einem Garten mit exotischen Pflanzen und Bergen im Hintergrund. Hier muß sie sich schon in Afrika befunden haben. Rechts daneben sitzt sie in einer offenen Veranda an einem kleinen Tisch. Ihr Blick ist in die Ferne gerichtet. Marie Lippert schreibt an ihren Reiseberichten.

 

 

 

Auf der rechten Seite sieht man sie zwischen zwei großen Bäumen stehen, um sich herum eine große Kinderschar. Es handelt sich um ihre Neffen und Nichten. Rechts davon ist im Hintergrund ein niederdeutsches Bauernhaus zu sehen, das Waisenhaus. Rechts daneben steht am Bildrand Marie hinter einem Leiterwagen, aus dem ein Baby die Arme und Beine hochstreckt. Vermutlich einer ihrer Neffen. Marie Lippert hat die Wagendecke hochgehoben und sieht auf eine vor ihr hockende bäuerlich gekleidete Frau, die die Hände zu ihr emporhebt.

 

 

Eduard Lippert führte das gemeinsam begonnene wohltätige Werk fort. Auf Gut Hohenbuchen, welches er noch bis 1914 betrieb, züchtete er Karpfen und ließ ab 1900 keimfreie und fettreiche Kindermilch, eine Art Vorzugsmilch, die in Deutschland eine Neuheit war, produzieren. Während der Inflation verlor er fast sein gesamtes Vermögen. Das soziale Wirken des Ehepaares bewog den Hamburger Senat, der Grabstätte den Status eines Ehrengrabes zu geben.”

 

 

Lippert spendet viel Geld. Beispielsweise bekam die Hamburger Sternwarte von ihm ein Teleskop geschenkt. Er gehörte von 1879 bis 1883 der Hamburgischen Bürgerschaft an und er war Mitglied der Deputation für Handel und Schifffahrt. Seine Farm in Südafrika lag auf Boden, der heute ein Vorort von Johannisburg ist. Er ließ damals dort Bäume anpflanzen und nannte das Areal “Sachsenwald”. Noch heute wird der Ort so genannt, allerdings in der englischen Form als “Saxonwold”. Und noch etwas klärt sich auf: Es war Lipperts Garten an der Fontenay, wo die Skulptur ‘Das Schicksal’ ursprünglich stand. Heute ist auch diese Figur auf dem Ohlsdorfer Friedhof zu finden.