Auf dem Ohlsdorfer Friedhof gibt es viele Gräber prominenter Menschen. Mancher Besucher kommt von weit her, um diese Plätze aufzusuchen. Die Verwaltung macht es leicht, denn sie stellt Wegweiser auf. Darauf liest man Namen wie Loki und Helmut Schmidt, Hans Albers oder Heinz Erhardt. Aber auch Gustaf Gründgens und Ida Ehre wurden hier beigesetzt. Ihre Gräbern liegen dicht nebeneinander. Leider fehlt ein Hinweis auf die Stelle oder ich habe ihn bisher nicht entdeckt. Der beiden Grabstellen sind sehr nahe am Haupteingang Ohlsdorfer Strasse zu finden und doch kommt so gut wie kein Besucher. Wer es nicht weiß, läuft daran vorbei. Ich wurde sogar einmal von einem Ehepaar gefragt, wo denn das Grab von Gustaf Gründgens wäre und konnte ihnen helfen. Sie waren einen weiten Weg gefahren und deshalb freute es mich, ihren Wunsch zu erfüllen. Ich konnte es allerdings nur deshalb machen, weil ich kurz vorher, ganz zufällig die Steine mit den Namen entdeckt hatte. Es wundert mich nicht, dass an den Gräbern nie frische Blumen zu sehen sind oder sonst irgendein Zeichen eines Gedenkens. Schade, aber vielleicht kann ich hier dazu beitragen, den Weg zu weisen. Und ich bin mir sicher, dass viele Menschen gerne dorthin gehen wollen und so manche Rose zurücklassen werden.

 

 

 

Ida Ehre

Ida Ehre war eine österreichisch-deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin. Sie war hochgeachtet, ihr Theater wurde von den Hamburgern geliebt und ihre Auszeichnung als Ehrenbürgerin der Stadt machte uns mindestens so stolz wie die Trägerin selbst. Ich erinnere mich an einen Auftritt von ihr anlässlich einer Friedens-Demonstration in den siebziger Jahren. Die Veranstaltung fand im St Pauli Fußball Stadion statt. Die Arena war ausverkauft. Ida Ehre trat ans Mikrophon. Körperlich eine kleine Frau, aber mit ungeheuer großer Präsenz. Schlagartig wurde es still, alle reckten die Hälse, um sie gut sehen zu können. Ida Ehre trug dann ohne Vorrede einen Text von Wolfgang Borchert vor, so eindringlich, dass ich ihn nie wieder vergessen konnte. Schon das erste Wort war wie ein Paukenschlag: “Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!” 

Die Biografie gibt Einblick in dramatische Lebensphasen und erschütternde Ereignisse. Ida Ehre war Jüdin und ihr drohte die Deportation. So entschloss sich mit der Famile nach Chile auszuwandern. Man bestieg ein Schiff, dass das rettende Ziel aber nie erreichte. Während der Fahrt brach der Krieg aus und man musste kehrt machen. Schließlich kam das Schiff, mit allen Passagieren, wieder im Hamburg Hafen an. Eine Haft im KZ Fuhlsbüttel blieb ihr nicht erspart. 

Ihre Autobiographie kann ich sehr empfehlen. Titel: ‘Gott hat einen größeren Kopf, mein Kind…’, erschienen im Rowohlt Verlag.

 

Gustaf Gründgens

Gleich links, neben der Grabplatte von Ida Ehre, findet sich eine gleich aussehende, die den Namen von Gustaf Gründgens trägt. Die beiden Gräber sind die einzigen, die an diesem kurzen, versteckten Stichweg liegen.  Alles ist ziemlich verschattet, denn die Rhododendren rundherum sind hochgewachsen und niemand scheint sich um die Gräber groß zu kümmern.

 

 

Auf dieser Grabplatte ist nur der Name zu lesen. Nichts weiter. Ergänzen wird also die Daten: Geboren wurde Gustaf Gründgens im Dezember 1899, in Düsseldorf, und gestorben ist er während einer Urlaubsreise, im Okotober 1963, in Manila auf den Philippinen. Gründgens war also nur ein Jahr älter als Ida Ehre, starb aber deutlich jünger. Man munkelt von Selbstmord, denn seine letzte schriftlich hinterlassene Nachricht lässt diesen Schluß zu, aber nicht zwingend. Gründgens war langjährig der Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg und seine Faust Inszenierung setzt bis heute Maßstäbe. Er schlüpfte selbst in die Rolle des verführerischen Mephisto und ich schaue mir das Stück immer mal wieder als Video Aufzeichnung an. Es macht einfach Freude den Darstellern zuzusehen, auch wenn der Inhalt mich nicht mehr überraschen kann.

Das Grab einer dritten Theatergröße, nämlich Jürgen Fehling, ist nicht weit entfernt. Dort steht allerdings ein Grabstein. Es sieht deutlich individueller aus. Ida Ehre und Gustaf Gründgens waren gefeierte Künstler, die zu Recht im Fokus standen. Warum sie nach ihrem Tod ganz an den Rand gegangen sind, dort wo das Sonnenlicht nicht mehr hinreicht, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass das es von ihnen so gewollt war.

Falls Sie die Gräber einmal aufsuchen wollen, dann kann meine Wegskizze hilfreich sein. Sie kann per Mausklick vergrößert werden. 

 

Ein schmaler Weg führt von der Cordesallee zur Grabstelle. Man muß eine Treppe bewältigen oder, von anderen Seite kommend, über den Rasen stiefeln.

 

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