Was für ein schönes Bild. Ich wollte es schon als Postkarte drucken lassen und dann mit dem Hinweis: “Viele Grüße vom Tegernsee” an Freunde und Bekannte verschicken. Aber solche Schwindeleien kommen heraus und es gibt wirklich keinen Grund den wahren Ort der Blumenwiese zu verheimlichen. Ich habe die Blumenpracht auf einer der vielen kreisrunden Verkehrsinseln mitten im Ohlsdorfer Friedhof entdeckt!

Letzten erzählte mir jemand er wäre Banker in der City of London. Nach zwei Minuten wußte ich, der Mann war noch nie in seinem Leben an der Themse. Nun finde ich es nicht weiter schlimm dem Selbstwert eine extra Politur zu geben, aber unverzeihlich ist die Berufswahl. ‘Banker of London City’, ja du meine Güte, einen anderen Arbeitsplatz findet man dort nicht. Aber wen interessiert es, einer unter Tausenden zu sein. Hätte er nun ‘Cabby Fahrer’ gesagt, wäre ich vor Bewunderung in die Knie gegangen und hätte ihm bis weit nach Mitternacht gelauscht. Denn die schwarzen Taxen, also die ‘black cabs’, werden von lizensierten Fahrern durch die Metropole gesteuert. Und um die Zulassung zu bekommen, muß man das ‘Knowledge’ erfolgreich absolviert haben. Ein geborener, sehr aufgeweckter Londoner braucht dafür mindestens drei Jahre Lehr- und Lernjahre. Falls Sie also jemals Urlaub in London machen, dann gönnen Sie sich eine Fahrt mit einer ‘Black Cab’. Fangen Sie eine Unterhaltung mit dem Fahrer an und genießen Sie jedes Wort, dass Sie erhaschen können. Besser können Sie den Engländer gar nicht kennenlernen.

Zurück zur Blumenwiese. Ich war schon auf dem Weg zur Ausfahrt, aber da habe ich natürlich angehalten und die Kamera schnell wieder aus dem Rucksack gezogen. Und ich war nicht die Einzige, die die Kulisse fotografieren wollte. Ein älteres Paar stand händchenhaltend am Wiesenrand und träumte sich vielleicht in den nächsten Urlaub.

 

 

Wäre mir der Nestlé Bär entgegen gekommen, hätte es mich nicht gewundert. Was für eine prachtvolle Wiese. Vor wenigen Wochen sah sie noch ziemlich kahl aus. Die Gänsefamilie hatte dort ihre Kücken hingeleitet, damit sie erstes frisches Grün zupfen konnten. Die wußten warum sie den vom Verkehr umrundeten Platz aufsuchten. Dass das hier ein gesunder Ort ist, erkennt jeder Mensch, der sich ein Minimum Instinkt erhalten hat. Statt Pestizide sehe ich überall Bienen auf den Blüten sitzen. Sie naschen sich am Nektar satt. 

 

 

Übrigens beginnt morgen der Sommer. Die Sonne wird gegen Mittag in das Tierkreiszeichen Krebs wechseln und das bedeutet, dass wir den längsten Tag erreicht haben. Mittsommer wird jetzt überall auf der nördlichen Halbkugel gefeiert. In St. Petersburg geniesst man die weissen Nächte, in Schweden durchtanzt man die Nacht und in England besucht man Stonehenge und wartet auf den Sonnenaufgang. 

Der Morgentau soll in diesen Tagen von magischer Art sein. Er kann kranke Tiere und Menschen heilen. Andere nutzen die Zeit, um den passenden Ehemann zu finden. Dazu pflückt man sieben Sorten wilder Blumen, legt sie unter das Kopfkissen und träumt dann vom künftigen Ehemann. Das klappt allerdings nur, wenn man beim Pflücken ganz still ist und niemanden von seinem Traum erzählt. – Immerhin wo ich die sieben Blumen pflücken kann, weiß ich jetzt. Aber wenn ich niemanden von meinem Traum erzählen darf, dann macht es ja irgendwie auch keinen Spaß. Aber entscheiden Sie selbst, ich gebe nur Anregungen.