Die Vorfahren. Per Mausklick kann die Grafik vergrößert werden.

Lappenberg kam im Sommer 1794, in Hamburg, zur Welt. Sein Vater war Arzt, die Mutter war eine Enkelin des Hamburger Bürgermeisters Garlieb Sillem. Der Junge wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Die unbeschwerte Kindheit wird aber durch das Vorrücken der Franzosen schnell eingetrübt. Dann, 1806, ist es soweit, Napoleons Truppen besetzen Hamburg. Es beginnen turbulente und entbehrungsreiche Jahre für die Hansestadt. Als 1813 russische Kossaken, unter dem Kommando des Oberst von Tettenborn einrücken, und die Franzosen aus der Stadt verdrängen, wird das als Befreiung gefeiert. Aber die Russen bleiben nicht lange, noch im selben Jahr ziehen sie wieder ab. Prompt lässt Napoleon die Stadt erneut besetzten. Das ist für den inzwischen neunzehnjährigen Lappenberg Grund genug sich den Befreiungskriegern anzuschließen. Aber da greift sein Vater energisch ein. Das Abenteuer wird dem jungen Mann nicht nur untersagt, man schafft auch gleich Fakten. Lappenberg wird nach Schottland geschickt, um in Edinburgh ein Medizinstudium zu beginnen.

Nach einigen Semestern bricht er ab und beginnt ein historisch-politisches Studium. Dazu wechselt er nach London, wo er die Freundschaft von Walter Scott (meistgelesener Autor seiner Zeit) und William Wordsworth (bekannter britischer Dichter) erwerben kann. Zurück in Hamburg arbeitet Lappenberg einige Jahre als Rechtsanwalt. Dann wird er vom Senat nach Berlin geschickt, aber das höfische Leben in Preußen ist nicht sein Lebensstil. Lappenberg ist sehr konservativ, lebt zurückgezogen und schätzt die ‘Privatheit’. So kehrt er gerne nach Hamburg zurück, wo er die Leitung des Senatarchivs übertragen bekommt. Das ist seine Welt, in der Geschichte kennt er sich aus und das einsame Studium einer alten Schrift begeistert ihn weit mehr als festliche Empfänge am königlichen Hof. 

 

Das Grabmahl Lappenberg auf dem Alt-Hamburgischen Gedächtnisfriedhof in Ohlsdorf.

 

Als Johann Martin Lappenberg Anfang dreißig ist heiratet er. Seine Frau stirbt noch im selben Jahr und nach einer angemessenen Trauerzeit ehelicht er die Schwester. Eine durchaus übliche Wahl in damaliger Zeit. Er hat fünf Kinder, darunter Alfred Lappenberg, den wir als Hamburger Senator kennen. Sein Schwiegersohn ist Walter Sartorius, Freiherr von Waltershausen, der sich als Universitätsprofessor in Göttingen einen Namen als Geologe gemacht hat. 

 

 

Johann Martin Lappenberg stirbt im Alter von 71 Jahren in Hamburg. Er ist fast erblindet, was ihn dazu zwang seine Arbeit als Archivar aufzugeben. Sicherlich ein schwerer Schlag für den Mann, der Bücher über alles liebte. Seine Frau ist da schon lange tot; die letzten 15 Jahre verbrachte er alleine. Ein Ereignis muß noch erwähnt werden, denn es hat sein Leben ganz besonders geprägt. Ich spreche vom Großen Hamburger Brand, der 1842 die Innenstadt vernichtete. Damals verbrannten auch große Teile des Staatsarchivs. Lappenberg war sehr um den Erhalt der Geschichte der Hansestadt bemüht. Er hat zahlreiche Chroniken veröffentlich, darunter auch die (für mich) spannende ‘Geschichte des Hansischen Stahlhofs zu London’. Als ich in der Stadt war, konnte ich tatsächlich noch letzte Zeugnisse dort finden.

 

Hier am Themseufer in London war der Hansische ‘Steelyard’. Heute führen die Gleise über das Grundstück, auf dem der große Bahnhof ‘Cannon Street’ gebaut wurde. Aber der Fußweg, parallel zum Themseufer, heißt noch immer ‘Hanseatic Walk’. Kaum einer kennt den Grund.