Betritt man den Ohlsdorfer Friedhof durch den Haupteingang an der Fuhlsbüttler Straße, dann wird der Blick durch die schnurgerade Cordesallee bis zum alten Wasserturm geführt. Rechterhand dieser Strasse findet man den Rosengarten. Er wurde im Gedenken an Wilhelm Cordes, den Erbauer des alten Friedhofteiles, angelegt. Ab Mitte Mai sind dort die ersten Rosen erblüht, die volle Pracht entfaltet sich aber erst im Juni.

 

 

Ich sage es gerade heraus, ich bin keine Rosenkennerin, noch nicht einmal eine Liebhaberin. Im Blumengeschäft zeige ich auf Tulpen, Gerbera, Freesien und Chrysanthemen; Rosen aber sind selten in meiner Auswahl. Obwohl die Pfingstrose mir durchaus gefällt, aber ist das eine ‘richtige’ Rose? Typische Merkmale sind: Stacheln, Hagebutten und fünfzählige Blüten und das kann die Bauernrose nicht bieten. Meine Meinung ist auch gar nicht wichtig, denn laut Blumenfachverband ist die Rose die beliebteste Schnittblume der Welt und wird auch als Gartenrose sehr gerne gepflanzt.

 

 

Vielleicht ist es der Duft, der die Menschen anzieht? Jetzt im Mai sind erst wenige Rosen aufgeblüht und noch kann ich nichts wahrnehmen, aber in einigen Wochen steht über dem Rosengarten eine Duftwolke, die schon von Weitem lockt. Vielleicht sind es aber auch die vielen Farben, die von ganz zart rosa bis tief dunkelrot und manchmal sogar neon grell auf sich aufmerksam machen. Hier in Ohlsdorf sind einige Dutzend Sorten zu sehen und zum Glück haben alle ein kleines Schild am Boden, wo der Name verzeichnet ist. Ohne diese Hilfe wäre ich ganz verloren.

 

 

Jedes Jahr werden weltweit neue Rosensorten gezüchtet. Vielleicht liegt es an meinem Alter, aber sofort habe ich Konrad Adenau in grüner Gartenschürze im Sinn, mit dem blassgelben Strohhut auf dem Kopf und der kurzen Rosenschere in der Hand. So stapfte er durch den heimischen Garten in Rhöndorf und warf hin und wieder einen prüfenden Blick über den Rhein in Richtung Bonner Bundestag. Es ist wohl eine große Ehre, wenn man seinen Namen für eine neue Rosen Kreation verleihen darf. Das haben schon Promis gemacht wie: Barbra Streisand, Edith Piaf und Ingrid Bergmann. Die Männer scheinen es nicht so gut zu finden, deshalb greift man auf verstorbenes Persönlichkeiten zurück, die können sich nicht mehr wehren: William Shakespeare, Mozart und Christophe Colomb.

 

 

Die Rose ist die Königin unter den Blumen. Vielleicht haben deshalb viele Adlige die Blume in ihrem Wappen eingefügt. Die englischen Häuser York und Lancaster machten es so und als man dreißig Jahre lang einen regelrechten Krieg gegeneinander führte, wurde der später als ‘Rosenkrieg’ in die Geschichtsbücher eingetragen. Schließlich einigte man sich und führte die weisse Rose (York) und die rote (Lancaster) zusammen. Heute sieht man die weiss-rote Rose sowohl im nationalen Wappen von Groß Britannien als auch im royalen Wappen der Königsfamilie Windsor. Die Engländer sind nun mal die Könige des praktischen Kompromisses. Deshalb prophezeie ich in Sachen Brexit noch einige Überraschungen, allerdings weniger für die Briten als für die oft überheblich auftretenden EU Vertreter. (Sorry, da bin ich parteiisch.)

 

 

Auch Luther machte die Rose zu seinem Symbol. In der christlichen Kunst gilt die Blume als Sinnbild des ewigen Lebens. Dazu gehört natürlich auch die Dornenkrone, die uns mit der Geschichte um die Folterung Jesus einfällt. Im Märchen wird die Rose zum Sinnbild der Verschwiegenheit, man denke nur an Dornröschen. Und dann gibt es noch die vielen kreisrunden, prachtvoll gearbeiteten Fenster in den großen Kathedralen. Sie sind oft an der Altarwand eingelassen und stellen ebenfalls die Architektur einer Rosenblüte dar.

 

 

Viele Rosen die momentan hier im Ohlsdorfer Park blühen, würde ich als Hagebutten bezeichnen. Zuhause lese ich dann nach, dass diese Blumenart tatsächlich dazuzählt. Sie haben kaum Stacheln, ihre Stengel sind weicher, nicht so holzig, wie bei den anderen Rosen. – Fotografisch bin ich heute mit leichten Gepäck unterwegs. Ich habe eine kleine Festbrennweite dabei, damit kann ich ziemlich nahe an die Blüten herangehen. Das ist heute genau die richtige Auswahl, denn noch sind zu wenige Rosen erblüht, um die Anlage in der Übersicht zu fotografieren. Da ist nicht viel zu entdecken. Ganz anders, wenn man sie wie unter einer Lupe betrachtet. Dann luken überall schon erste voll erblühte Rosen hervor. Auf einer sitzt eine kleine Spinne. An einer anderen krabbelt ein Käfer über das Blatt. Ganz langsam öffnen sich erste Knospen und verraten schon mal welche Farbe dort zur Entfaltung kommen wird.

 

 

Genug gesehen für heute, aber ich komme wieder. Das werde ich mir im Juni noch einmal anschauen. Ja, sie sind schön. Haben wunderbar intensive Farben. Bieten den Bienen ihren Nektar aufregend verpackt an, fast so verführerisch wie ein Bonbon im knisternden Glanzpapier und ihre Blüten sind voller zarter Blätter, die sich prachtvoll in der Sonne entfalten und sich in endlosen zentrierten Lagen präsentieren. Und trotzdem kommen sie mir nicht ins Haus. Auf dem Balkon wäre gar kein Platz, dort habe ich zwei nicht minder leuchtende rote Geranien und in der Wohnung bleibt es beim bunten Sommerstrauß. Der piekt nicht und ist mir irgendwie verwandter.

 

 

 

 

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